Der TagWohnungen statt Erinnerung? Zoff um Nazi-Bunker in Berlin
In der Hauptstadt wird um die Überreste eines Bunkers unter der einstigen Neuen Reichskanzlei gestritten. Die Anlage aus der NS-Zeit, von der noch rund 1200 Quadratmeter erhalten sein sollen, will der Verein Berliner Unterwelten zu einem Ort der Erinnerung an das NS-Regierungsviertel umgestalten. Das Landesdenkmalamt und zuletzt vier namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler plädieren für den Erhalt.
Die Senatsbaudirektorin hatte indes im Januar verfügt, die Anlage nicht unter Denkmalschutz zu stellen. Auf der Brache der abgetragenen Neuen Reichskanzlei sind Wohnungen und Büros geplant.
Nun spricht sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz für den Erhalt der Bunkeranlage aus. "Je kleiner die Zahl der Zeitzeugen wird, die uns und jüngeren Generationen fundiert Auskunft geben können, desto wichtiger werden die authentischen Orte, die diese Zeugnisfunktion übernehmen können", sagte eine Sprecherin dem "Spiegel". Die "Reste der Bunkeranlagen der ehemaligen Neuen Reichskanzlei zählen dazu ebenso wie die Villa Buth in Jülich", von der aus in der NS-Zeit Juden deportiert wurden und die aktuell verfällt.
Der "Große Bunker" unter der Neuen Reichskanzlei diente einst auch als Schutzraum für Frauen und Kinder. Der nahe gelegene "Führerbunker", in dem Adolf Hitler Ende April 1945 Selbstmord beging, ist hingegen weitgehend zerstört.