"Müssen wir ernst nehmen"Sorgen und Vorwürfe: Das bewegt die Generation Z

In ganz Europa geht die Jugend auf die Barrikaden. Demonstrationen eskalieren in Gewalt, der "Gen Z" reicht's. Doch was belastet junge Menschen? Und welche Wünsche hat diese Generation?
Hohe Mieten, Psycho-Stress, Klimakrise und Kriegsgefahr: Vor den Jugenddemonstrationen der Initiative "Gen Z regelt" am Samstag blicken viele junge Menschen mit Sorge in die Zukunft. Die Generation Z umfasst je nach Definition junge Erwachsene, die zwischen Ende der 1990er und den frühen 2010er Jahren geboren wurden.
Für die jüngste Shell-Jugendstudie haben Forscher rund 2500 der 12- bis 25-Jährigen in Deutschland repräsentativ befragt. Ein Großteil von ihnen gehört zur Generation Z. An die Spitze der abgefragten Ängste sind bei der Altersgruppe die Angst vor einem Krieg in Europa (81 Prozent) und die Sorge um die wirtschaftliche Lage und möglicherweise steigende Armut (67 Prozent) gerückt.
Auch die Themen Klimawandel (63 Prozent) und Umweltverschmutzung (64 Prozent) machen der großen Mehrheit der jungen Leute weiterhin Angst. Die Angst vor "Ausländerfeindlichkeit" (58 Prozent) wird dabei häufiger genannt als die Angst vor weiterer Zuwanderung (34 Prozent). Gleichzeitig sorgen sich 35 Prozent der Befragten vor Arbeitslosigkeit oder davor, keinen Ausbildungsplatz zu finden.
Nach einer Analyse der Forscher reagiert ein Großteil der jungen Menschen auf gefühlte Bedrohung nicht mit Panik. Sie setzen sich demnach differenziert mit Krisen und deren Konsequenzen auseinander und lassen sich nicht entmutigen. Die Forscher sehen keinen pauschalen Rechtsruck, wohl aber eine Verschiebung bei jungen Männern: Der Anteil, der sich selbst als eher rechts einordnet, stieg von 16 Prozent (2019) auf 25 Prozent (2024). Das Vertrauen in Staat und Demokratie bestehe dennoch fort.
Jüngere fühlen sich psychisch stärker belastet
Die Generation Z hat während der Pandemie mit geschlossenen Schulen und Kontaktverboten spürbare Einschnitte auf ihrem Entwicklungs- und Bildungsweg erlebt - bis hin zu Einsamkeit. Sie wuchs noch in einer Phase auf, in der Frieden weitgehend als selbstverständlich galt. Dann begann der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Was hat das alles mit der Psyche junger Menschen gemacht?
Nach Beobachtungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) schätzte 2024 mehr als ein Drittel der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren (37,7 Prozent) ihr psychisches Wohlbefinden als niedrig ein. Das ist ein deutlich höherer Wert als unter allen befragten Erwachsenen (28,2 Prozent). Dementsprechend finden sich etwa depressive Symptome und Angstsymptome häufiger bei jüngeren Erwachsenen, zu denen auch die Generation Z zählt.
"Das ist ein Befund, den wir ernst nehmen müssen", sagt Caroline Cohrdes, kommissarische Leiterin des Fachgebiets Psychische Gesundheit am RKI. "Besonders hohe Werte sehen wir aktuell bei jungen Frauen." Auch das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit sieht einen Anstieg bestimmter psychischer Störungen bei jungen Menschen - am deutlichsten bei Essstörungen.
Wohnen beeinflusst Lebensplanung
Die finanzielle Lage entscheidet über Lebenswege. Für die Generation Z zählt die Suche nach bezahlbarem Wohnraum zu den größten Hürden. Das zeigt unter anderem eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Sozialverbands Deutschland (SoVD). Darin gab knapp ein Drittel (30 Prozent) der 18- bis 29-Jährigen an, die Wohnkosten hätten ihre Wahl des Wohnorts beeinflusst. Rund jeder Sechste (16 Prozent) in dieser Altersgruppe äußerte, die Wohnkosten würden auch die Familienplanung beeinflussen. Befragt wurden online 2500 Mieter und 5000 Personen ab 18 Jahren.
Knapp ein Viertel der jungen Erwachsenen (23 Prozent) gibt an, bereits Schulden zu haben. Das ist ein Ergebnis der Studie "Jugend in Deutschland 2026", für die gut 2000 Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren den Angaben nach repräsentativ befragt wurden.
Die finanzielle Unsicherheit reicht bei manchen jungen Menschen bis hin zur Frage, ob sie langfristig in Deutschland bleiben wollen: 21 Prozent der von "Jugend in Deutschland 2026" befragten Personen planen konkret, ins Ausland zu gehen, 41 Prozent können sich eine Auswanderung grundsätzlich vorstellen.
Faule Jugend? Nicht bei der Generation Z!
Die Generation Z gilt in manchen Debatten als anspruchsvoll, wenig belastbar und zu sehr auf Freizeit bedacht. Arbeitsmarktdaten sprechen jedoch gegen eine solche pauschale Verurteilung. So beschreibt die Studie "Jugend in Deutschland 2026" eine hohe Leistungsbereitschaft der jungen Generation. Die große Mehrheit sei demnach bereit, zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat im August auf Basis des Mikrozensus und der Arbeitskräfteerhebung die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen ausgewertet: Diese stieg demnach zwischen 2015 und 2025 um mehr als sieben Prozentpunkte auf knapp 77 Prozent. Laut IAB ist das der höchste Stand seit Jahrzehnten.
Der Vorwurf, jüngere Menschen arbeiteten weniger als ältere, verliert wegen eines weiteren Faktors an Gewicht: Viele 15- bis 24-Jährige stehen noch gar nicht vollständig im Berufsleben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts befinden sich viele noch in Schule, Ausbildung oder Studium. Eine geringere Erwerbstätigkeit in dieser Altersgruppe bedeutet deshalb nicht automatisch mangelnde Arbeitsbereitschaft.