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Niedersachsen & BremenStudie zeigt Grenzüberschreitungen in Fahrschulen

04.11.2026, 13:07 Uhr
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Wer den Führerschein machen will, ist abhängig vom Fahrlehrer oder von der Fahrlehrerin. Eine Studie zeigt, welche Grenzüberschreitungen junge Menschen dabei teils erleben – und was nun folgen soll.

Braunschweig (dpa/lni) - Unangenehme Witze, sexuelle Anspielungen oder ungewollter Körperkontakt - junge Menschen fühlen sich in der Fahrschule laut einer Studie teils unsicher und erleben Grenzüberschreitungen. Das ist das Ergebnis einer Befragung, die eine Arbeitsgruppe in Braunschweig bei jungen Erwachsenen durchgeführt hat.

Entwickelt wurde die Untersuchung in der "Arbeitsgruppe Fahrschule" des Braunschweiger "Runden Tisches gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und jungen Menschen", die sich mit dem Thema der sexuellen Übergriffe in Fahrschulen auseinandersetzt. Zur Gruppe gehören die Gleichstellungsbeauftragte, das Präventionsteam der Polizei, zwei Fahrschulen und weitere Partner.

Junge Frauen fühlen sich teils unsicher

41 Prozent der teilnehmenden Frauen gaben laut den Autoren an, im Fahrschulunterricht unangenehme Witze oder Kommentare selbst erlebt zu haben. Bei den jungen männlichen Teilnehmern haben dies demnach nur 19 Prozent erlebt. Eine deutliche Mehrheit (rund 90 Prozent) fühle sich zwar sicher, es zeige sich aber auch, dass sich 13,5 Prozent der jungen Frauen eher oder sehr unsicher fühlten. Nur 4,1 Prozent der jungen Männer geben dies an.

Bisher existierten der Arbeitsgruppe zufolge bundesweit keine Zahlen über die Art und Häufigkeit von sexuellen Übergriffen in Fahrschulen. Daher sollte mit dieser Erhebung eine erste Situationsanalyse durchgeführt und der Fokus auf Reaktionsmöglichkeiten gelegt werden. Einen Handlungsbedarf sehen die Projektpartner durch ihre Befragung eindeutig belegt.

Autoren sehen ein Ausnutzen von Abhängigkeit

"Wer einen Führerschein anstrebt, ist abhängig von der Einschätzung des Fahrlehrers", teilt die Arbeitsgruppe. Wenn dafür bis zu 40 Prozent junger Frauen unangenehme Witze oder Kommentare, aufdringliche oder anzügliche Bemerkungen bis zu sexuellen Anspielungen in Kauf nehmen müssten, sei dies ein Ausnutzen der Abhängigkeit.

Für die Studie wurden im Sommer in Braunschweig etwa 10.000 Personen der Jahrgänge 2000 bis 2009 angeschrieben. Insgesamt nahmen rund 930 Personen an der anonymen und freiwilligen Befragung teil, was einer Rücklaufquote von etwa neun Prozent entspricht. Rund 850 Teilnehmer gaben an, dass sie eine Fahrausbildung abgeschlossen oder begonnen haben.

Schilderungen waren aufdringliche oder anzügliche Bemerkungen (weiblich 20,9 Prozent, männlich 5,7 Prozent), sexuelle Anspielungen oder Bemerkungen mit sexuellem Inhalt (weiblich 14,6 Prozent, männlich 3,7 Prozent), unangemessene Fragen mit sexuellem Bezug zu Privatleben oder Aussehen (weiblich 13,6 Prozent, männlich 3,7 Prozent) sowie aufdringliche Blicke (weiblich 11,6 Prozent, männlich 1,3 Prozent).

Junge Frauen in Lebensqualität beeinträchtigt

Es gehe jetzt darum, mit Fahrschulen und deren Verbänden ins Gespräch zu kommen, um Präventionsstrategien und Aufklärungskampagnen auf den Weg zu bringen, folgert die Arbeitsgruppe. Denn weitere selbst erlebte Grenzüberschreitungen seien auch ungewollter Körperkontakt, Einladungen zu privaten Treffen oder ungewollte Nachrichten mit sexuellem Bezug gewesen.

"Wir haben erwartet, dass viele junge Menschen Erfahrungen mit sexualisierten Grenzüberschreitungen im Fahrschulunterricht gemacht haben", sagte der wissenschaftliche Projektleiter Olaf Lobermeier von der Ostfalia Hochschule. Die eindrücklichen Schilderungen in den offenen Kommentaren machen ihm zufolge sehr deutlich, dass über dieses Problem nicht hinweggesehen werden kann. Vor allem junge Frauen seien nachhaltig in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt.

Der Fahrlehrerverband Niedersachsen kündigte an, das Ergebnis sehr ernst zu nehmen. "Es gab immer wieder einzelne Vorwürfe, uns haben aber die Fakten gefehlt", sagte der Verbandsvorsitzende Klaus Napierski. "Endlich haben wir Fakten, die wir uns gründlich ansehen werden, um sinnvolle und zielgenaue Maßnahmen zu entwickeln", sagte er.

Quelle: dpa

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