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Nordrhein-WestfalenRückzug von Bas trifft NRW-SPD - Kritik an Union

12.10.2026, 16:23 Uhr
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Bärbel Bas tritt von ihren Ämtern zurück. Welche Rolle spielen dabei Vorwürfe aus der Union? NRW-SPD-Politiker Jochen Ott findet deutliche Worte.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Rückzug der Duisburger SPD-Politikerin Bärbel Bas als SPD-Bundesvorsitzende und Bundesarbeitsministerin hat in der nordrhein-westfälischen SPD Betroffenheit ausgelöst. Zugleich kritisierte der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027, Jochen Ott, mit Blick auf den Unions-Koalitionspartner in Berlin mangelndes Mitgefühl für Bas, die nach dem Tod ihrer Stieftochter um eine Auszeit gebeten habe. "In so einer Phase darf die Menschlichkeit nicht komplett verloren gehen", sagte Ott. "Und das muss uns für die Zukunft auch zu denken geben."

Noch sei es zu früh, über die Nachfolge der SPD-Führung zu reden, so der SPD-Landtagsfraktionschef. Ott ging davon aus, dass die SPD im Bund weiterhin bei einer Doppelspitze bleiben werde. Formal müsse der Parteitag die Frage klären. Zugleich unterstrich Ott den Einfluss des mitgliederstärksten SPD-Landesverbands bei der Führungsfrage. Die NRW-SPD stelle "eine große Gruppe" beim Bundesparteitag. Der SPD-Parteitag soll im Dezember oder Januar stattfinden.

Koalition soll für Ruhe sorgen

Ott ermahnte die schwarz-rote Koalition in Berlin, "jetzt in den großen Reformvorhaben zwei bis drei Dinge gemeinsam auf den Weg zu bringen" - am besten als konzertierte Aktion mit den Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften -, "um dann einfach mal wieder ein bisschen für Ruhe zu sorgen". Die aufregenden Zeiten seien seit Wochen für alle Menschen extrem anstrengend und trügen auf Dauer nicht zur Stabilisierung bei.

Zu Bas möglicher Rolle im NRW-Landtagswahlkampf äußerte sich Ott nicht konkret. "Aber für mich ist das eine ganz wichtige Frau aus Nordrhein-Westfalen gewesen, und das bleibt sie auch", betonte er.

Der SPD-Politiker zeigte sich traurig über den Rücktritt von Bas, die immer eine große Bodenhaftung gehabt habe. Die Duisburgerin sei "von ganz unten bis in allerhöchste Staatsämter gekommen". Das sei ein Zeichen dafür, "dass Menschen in dieser Demokratie aus allen Milieus die Chance haben, dieses Land mitzubestimmen", so Ott.

Rücktrittserklärung mit heftigen Vorwürfen

In ihrer auch auf Instagram verbreiteten Rücktrittserklärung begründete Bas ihren Rückzug zunächst mit dem Tod ihrer Stieftochter. Die 58-Jährige ist verwitwet, ihr Mann Siegfried Ambrosius starb 2020. Sie brauche Zeit zu trauern, schreibt sie. "Diese möchte ich mir ausreichend nehmen."

Zugleich hatte Bas ihren Schritt in einer öffentlichen Mitteilung mit öffentlichen Angriffen auf sich, auch aus den Reihen der Union begründet. Politiker der Union hatten ihr zuletzt vorgeworfen, Reformen etwa bei der Rente zu verschleppen.

"Dass ein Mensch, der nach einem Trauerfall im engsten Familienkreis eine Auszeit braucht, in dieser schweren Situation persönlichen Angriffen ausgesetzt ist, darf uns als Gesellschaft nicht gleichgültig lassen", hatte Ott am Morgen erklärt. Politische Auseinandersetzungen gehörten zur Demokratie. "Doch Menschlichkeit, Anstand und Respekt sind dabei in den letzten Wochen auf der Strecke geblieben."

Schlagabtausch zwischen CDU in Berlin und SPD in NRW

In der Frage des Umgangs mit Politikerinnen, die einen persönlichen Schicksalsschlag erlitten haben, kam es zu einem Schlagabtausch zwischen CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann und der SPD-Landtagsfraktion in Düsseldorf. Hoppermann sagte, dass sich moralische Appelle auch gerne an die SPD-Landtagsfraktion in NRW richten könnten, die gegen die krebskranke Landesministerin Ina Scharrenbach (CDU) einen Untersuchungsausschuss angestrengt habe. Der von der SPD durchgesetzte U-Ausschuss untersucht aktuell Mobbing-Vorwürfe gegen die Bau- und Heimatministerin.

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, Ina Blumenthal, sagte der Düsseldorfer "Rheinischen Post": "Das ist ein unredlicher und unverfrorener Vergleich." Scharrenbach habe selbst entschieden, wieder in das politische Geschäft zurückzukehren, nachdem sie ihre Krankheit öffentlich gemacht und eine Auszeit genommen habe. Scharrenbach hatte ihre Krebserkrankung im Juni 2025 öffentlich gemacht und sich einer monatelangen Therapie unterzogen. Der Untersuchungsausschuss wurde ein Jahr später auf Antrag der SPD beschlossen.

Landesvorsitzende Philipp dankt Bas

Die Landesvorsitzende der NRW-SPD, Sarah Philipp, würdigte Bas als "eine herausragende Sozialdemokratin", die sich mit viel Leidenschaft, klarer Haltung und unermüdlichem Einsatz für Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt starkgemacht habe. "Als Bundestagspräsidentin, Bundesministerin für Arbeit und Soziales sowie Parteivorsitzende hat sie in höchsten Ämtern Verantwortung übernommen, ohne dabei jemals den Blick für die Sorgen und Nöte der Menschen zu verlieren." Bas stehe wie kaum eine andere für Bodenständigkeit, Glaubwürdigkeit und eine tiefe Verwurzelung im Alltag der Menschen.

Der Vorsitzende der Duisburger SPD, Mahmut Özdemir, sagte: "Sie hat viel für uns alle erduldet und den Rücken breit gemacht für diejenigen in unserer Gesellschaft, die nicht mit dem goldenen Löffel gesegnet waren."

Auch Wüst reagiert

Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) reagierte mit Mitgefühl auf den Rücktritt von Bas. "Es ist nicht richtig, wenn sich Eltern von Kindern verabschieden müssen", schrieb Wüst auf der Plattform X. "Meine Gedanken und mein tief empfundenes Mitgefühl sind bei Bärbel Bas und ihrer Familie." Vor der persönlichen Entscheidung von Bas habe er großen Respekt.

Bas vertritt seit 2009 als direkt gewählte Abgeordnete den Wahlkreis Duisburg I im Bundestag. Von 2021 bis 2025 war sie Bundestagspräsidentin, im Mai 2025 wurde sie Bundesarbeitsministerin, im Juni 2025 neben Lars Klingbeil SPD-Vorsitzende. Ihr Bundestagsmandat will sie behalten.

Quelle: dpa

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