Rheinland-Pfalz & SaarlandWieso Eidinger nach Hollywood in der Völklinger Hütte dreht

Vor kurzem stand er noch in Hollywood vor der Kamera. Jetzt dreht der Schauspieler in Völklingen im Saarland. Was dahintersteckt.
Völklingen (dpa/lrs) - Schauspieler Lars Eidinger steht neben großen Rohren in einer alten Trockengasreinigung der Völklinger Hütte. Ihn fasziniert eine Maschine: Langsam geht er auf sie zu - und nähert seinen Kopf. Ganz nahe. Die Maschine rattert lauter.
Das ist eine Szene, die Eidinger in dem alten Eisenwerk im saarländischen Völklingen dreht. Unter der Regie des Aktionskünstlers und Filmemachers John Bock entsteht gerade ein Kunstfilm. Mit dabei ist auch der Schauspieler Thomas Loibl. Loibl spielt den Chef, Eidinger gibt den Knecht.
Der Film wird für die große Ausstellung "Das stählerne Herz" gedreht, die vom 24. Januar 2027 rund ein Jahr lang im heutigen Weltkulturerbe zu sehen sein wird. Besucher werden "Cocoon" (deutsch: Kokon) in den Katakomben der Gebläsehalle erleben können.
Eidinger: "Ich bin nicht hier als Hollywood-Schauspieler"
Es gehe um Arbeit, um Macht und um Zeit, sagt der Generaldirektor der Völklinger Hütte, Ralf Beil. Sowohl der Chef als auch der Knecht seien "eingesponnen, deswegen Kokon, eingesponnen eben in diese riesige Maschine".
"Das ist ein sogenannter Kunstfilm, also ist relativ frei", sagte Eidinger am Set. Man könne ihn nicht mit anderen Filmen vergleichen. Er finde ihn auch "sehr rätselhaft" - und genau das möge er. Es sei nicht die Idee davon, "erklärbar zu sein".
Vor kurzem stand der 50-Jährige noch in Hollywood für den neuen "Superman"-Film "Man of Tomorrow" vor der Kamera. Jetzt läuft er in Gummihose und Gummistiefeln, mit Kettenhemd-Schürze und Kappenhelm durch die alte Hütte.
Job ist "wie verlängertes Studium"
"Ich sehe mich nicht als Hollywood-Schauspieler, ich bin auch nicht hier als Hollywood-Schauspieler", sagt Eidinger. In der Völklinger Hütte sei er vorher noch nie gewesen. Die große Anlage habe ihn komplett erschlagen. "Ich habe es auch nicht erwartet, also die Dimension."
Eidinger mag seinen Job: "Was eine große Qualität meines Berufs ist: Dass ich so in Zusammenhänge komme, in die ich sonst nicht kommen würde, oder in Länder und Städte fahre oder mich mit Themen beschäftige, mit denen ich mich sonst nicht beschäftigen würde", sagte er. "Also im Grunde wie ein verlängertes Studium. So fühlt sich das an."
In der Schau "Das stählerne Herz" geht es um die Geschichte der Völklinger Hütte. Und mehr: "Wenn man die Geschichte der Völklinger Hütte erzählt, dann erzählt man automatisch die Geschichte Deutschlands und Europas", sagt Beil. Von 1873 bis heute.
Die Schau reiche von der Industrialisierung über die zwei Weltkriege, die Montanunion, das Wirtschaftswunder und die Stahlkrise bis zum Wandel zur heutigen Dienstleistungs-, Wissens- und Freizeitgesellschaft - für den das Weltkulturerbe auch beispielhaft stehe.
Da die Ausstellung aber nicht nur eine "reine Geschichtsstunde" sein soll, kommen Eidinger & Co ins Spiel. Der Film gehöre zu einem Netz, das darüber gespannt werde - und Themen aus Literatur, Musik, Kunst und Film einbinde. "Objekte, Fotografien und Dokumente zur Hüttengeschichte treten somit in einen kreativen Dialog."
So erwarten Besucher der Ausstellung nicht nur zahlreiche neue Forschungserkenntnisse, die zusammengetragen wurden. Sondern auch angedockte literarische Texte, Musikstücke, Kunstwerke der Moderne und eigens entworfene Rauminstallationen von Künstlern.
In der Völklinger Hütte war im Juli 1986 die Roheisenproduktion beendet worden - das Eisenwerk hatte nach mehr als 100 Jahren ausgedient. Es ist seit 1994 Unesco-Weltkulturerbe.
Schafft der Mensch sich selbst ab?
Es mache Sinn, "einen Film zu machen, der sich mit Macht auseinandersetzt und mit der fortschreitenden Industrialisierung", sagt Eidinger. "Und das ist was, wo man den Eindruck hat, der Mensch kommt eigentlich gar nicht mehr vor." In der Hütte fühle man sich "so klein".
Natürlich beschäftige er sich im Moment - wie alle anderen auch - mit der künstlichen Intelligenz. Was sie bedeute. "Und da gibt es für mich schon eine Parallele, wenn ich hier stehe und merke, dass der Mensch sich langfristig selbst abschafft." Das sei eine Angst, die er teile.