"Kann Krise trotzen"Handel peilt Umsatzplus im Weihnachtsgeschäft an – 129 Milliarden Euro erwartet

Der deutsche Einzelhandel rechnet beim wichtigen Weihnachtsgeschäft trotz der gedämpften Konsumlaune mit zwei Prozent mehr Umsatz.
Für die Monate November und Dezember erwartet der Handelsverband Deutschland (HDE) einen Anstieg der nominalen Erlöse auf insgesamt 129,2 Milliarden Euro. Klammert man steigende Preise aus, dürfte das Plus zum Vorjahr jedoch nur bei 1,0 Prozent liegen, teilte der Verband in Berlin mit. Die Prognose stützt sich auch auf eine Umfrage von gut 2000 Personen. Demnach will die Kundschaft ihre Ausgaben für Geschenke auf dem Niveau des Vorjahres halten.
Die Erlöse im November und Dezember machen für viele Branchen mehr als 20 Prozent des gesamten Jahresumsatzes aus, bei Spielwaren sogar über 26 Prozent. Wie aus der Umfrage des Handelsblatt Research Institute für den HDE hervorgeht, wollen die Verbraucher in diesem Jahr durchschnittlich 262 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben und damit fast so viel wie 2025, als es 263 Euro waren. Mehr als die Hälfte der Befragten plant, gleich viel Geld wie im Vorjahr auszugeben. Zehn Prozent wollen ihre Ausgaben steigern und 24 Prozent wollen sie senken.
"Viele Handelsunternehmen sehen sich vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts mit steigenden Kosten für Energie, Personal und ausufernder Bürokratie konfrontiert", sagte HDE-Präsident Alexander von Preen. Dies trage nicht zu einer optimistischen Einschätzung bei. "Doch die Kundinnen und Kunden sind in Weihnachtsstimmung." Trotz eines schwierigen Umfelds und vieler Ungewissheiten bleibe das Weihnachtsgeschäft stabil. "Es gibt Anzeichen dafür, dass Weihnachten der Krise trotzen kann", betonte von Preen.
Eine HDE-Umfrage unter 300 Händlern zeichnet ein gemischtes Bild. Zwar gehen 29 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass sich die Kunden die Freude am Weihnachtseinkauf nicht nehmen lassen. Jedoch blicken viele Händler pessimistisch auf die kommenden Wochen. Insbesondere im Nicht-Lebensmittelhandel erwarten 56 Prozent der Befragten ein schlechteres oder deutlich schlechteres Weihnachtsgeschäft als im Vorjahr.
Wachstumstreiber ist dem HDE zufolge vor allem der Onlinehandel. Er dürfte seine Umsätze im Weihnachtsgeschäft nominal um 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 23,1 Milliarden Euro steigern. Im Gesamtjahr werde der Umsatz im E-Commerce um 4,4 Prozent auf gut 96 Milliarden Euro zulegen. Für den gesamten Einzelhandel rechnet der Verband weiter damit, dass die Erlöse 2026 nominal um 2,0 Prozent auf 697,4 Milliarden Euro klettern. Ohne Preissteigerungen werde der Anstieg bei real 1,0 Prozent liegen und damit etwas höher als im Sommer gedacht. Denn die Inflation fiel nicht so stark aus wie vom HDE befürchtet.