Treffen der G20-AußenministerEuropäer verweigern Gruppenfoto mit Lawrow in Atlanta

Beim G20-Außenministertreffen in Atlanta sitzt überraschend auch Sergej Lawrow am Tisch. Doch ein gemeinsames Gruppenfoto mit allen Teilnehmern kommt nicht zustande. Außenminister Wadephul will keine "falschen optischen Signale aussenden".
Die Außenminister der G20-Runde der großen Industrie- und Schwellenländer setzen bei ihrem Treffen in den USA ein deutliches Signal an Moskau. Das sonst oft übliche "Familienfoto" der Teilnehmer fiel bei den Beratungen in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia aus. Bundesaußenminister Johann Wadephul hatte schon kurz vor Beginn gesagt: "Es wird in jedem Fall kein Familienfoto geben, auf dem unsere europäischen Partner gemeinsam mit Herrn Lawrow sind."
Russlands Außenminister Sergej Lawrow sitzt bei den Beratungen mit am Tisch. Der Umgang mit ihm und der seit mehr als viereinhalb Jahren andauernde Angriffskrieg Moskaus auf die Ukraine gehören zu den wesentlichen Themen des Treffens und der politischen Gespräche am Rande. Russland spielt als Unterstützer des Iran auch eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit den weltweiten wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges, den die USA gemeinsam mit Israel im Februar begonnen hatten.
Beide Konflikte belasten die Weltwirtschaft erheblich: Der eingeschränkte Schiffsverkehr in der Straße von Hormus sorgt für drastisch steigende Preise etwa für Öl und Gas. Der Krieg in der Ukraine führt hingegen zu schweren Beeinträchtigungen für den Handel mit Dünger und Getreide über das Schwarze Meer. In einer Arbeitssitzung am Samstag will die G20-Runde über das Thema "Versorgungsketten" beraten.
US-Außenminister Marco Rubio warb zu Beginn des Treffens für eine engere Zusammenarbeit. Wirtschaftliche und geopolitische Krisen bedrohten den globalen Handel, die Versorgung mit Energie und Lebensmitteln sowie die freie Schifffahrt. "Die G20 müssen gemeinsam daran arbeiten, diesen Bedrohungen entgegenzutreten." Die US-Regierung hat im Iran-Krieg ihren Partnern wiederholt mangelnde Unterstützung vorgeworfen. Man befinde sich in einem "Augenblick der Entscheidung", sagte Rubio. "Nicht nur für mein Land, die Vereinigten Staaten von Amerika, sondern ehrlich gesagt für die ganze Welt."
Generalprobe für G20-Gipfel
Wadephul sagte, es gebe keine Normalität mit Russland. Man müsse die Kontroversen am G20-Tisch diskutieren. Deswegen sei das Gespräch wichtig. "Aber wir dürfen auch keine falschen optischen Signale aussenden." Die Europäer hätten sich in der Frage der Teilnahme an einem Familienfoto eng abgestimmt, hieß es am Rande des Treffens. Gespräche soll es zu dieser Frage etwa auch mit Australien gegeben haben.
Moskau hatte erst am Mittwoch bestätigt, dass Lawrow nach Atlanta kommen werde. Dort saß Lawrow zwischen den Vertretern Saudi-Arabiens und Mexikos. Rubio hatte direkt neben sich Polens Außenminister Radoslaw Sikorski platziert, den er als einzigen Gast zu den G20-Beratungen geladen hatte. Sikorski ist scharfer Kritiker Russlands wegen dessen Krieg gegen die Ukraine. Polen befürchtet, eines der nächsten Ziele Russlands zu werden.
Das Treffen ist so etwas wie eine Generalprobe für den G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs am 14. und 15. Dezember in Miami. Bei dem aktuellen Treffen in Atlanta sollen auch mögliche Entscheidungen des Gipfels vorbereitet werden. In Miami werden neben Präsident Donald Trump auch Kanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sowie Chinas Staatschef Xi Jinping erwartet. Trump hat seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin ebenfalls zu dem Gipfel eingeladen - bisher ist aber unklar, ob dieser die Einladung annimmt.

