Hamburg & Schleswig-HolsteinAnne-Frank-Ausstellung in JVA - Prävention gegen Judenhass

Mehr als 700 Menschen sitzen in Hamburgs größtem Gefängnis. Sie sind mehrheitlich nicht deutscher Herkunft. Eine Ausstellung soll ihnen das Schicksal des jüdischen Mädchens Anne Frank näherbringen.
Hamburg (dpa/lno) - Im größten Hamburger Gefängnis, der JVA Billwerder, wird vier Wochen lang eine Ausstellung über Anne Frank gezeigt. In der Wanderausstellung unter dem Titel "Lasst mich ich selbst sein" geht es um das Leben des jüdischen Mädchens, das 1945 im KZ Bergen-Belsen starb. Das Projekt des Anne Frank Zentrums Berlin verbinde historische Erinnerungsarbeit mit moderner Antisemitismus- und Diskriminierungsprävention direkt hinter Gefängnismauern, teilte die Justizbehörde mit.
17 Gefangene seien in einem zweitägigen Training zu Ausstellungsbegleitern ausgebildet worden. Sie sollen Mitgefangene, Justizangestellte und externe Gäste die Darstellungen auf 32 Stellwänden erklären.
Die Ausstellung erzähle in acht Kapiteln die Lebensgeschichte von Anne Frank (1929-1945), von der Flucht ihrer Familie vor den Nationalsozialisten über die Zeit im Amsterdamer Hinterhausversteck bis hin zu ihrer Deportation ins Konzentrationslager. Gezeigt werden Fotos und historische Dokumente, darunter Originalaufnahmen der Familie von Anne Frank sowie Zitate und Abbildungen aus ihrem Tagebuch.
"Demokratiebildung endet nicht an der Gefängnismauer"
Gefangene und Besucher sollen dazu angeregt werden, sich mit aktuellen Fragen zu Identität, Vorurteilen, Gruppenzugehörigkeit und Ausgrenzung auseinanderzusetzen, hieß es. Das Projekt werde bereits seit 2015 erfolgreich in deutschen Haftanstalten umgesetzt. Für die Öffentlichkeit ist die Ausstellung im Gefängnis nicht zugänglich.
"Auch Demokratiebildung endet nicht an der Gefängnismauer", sagte Justizsenatorin Anna Gallina. "Das gilt insbesondere in den Zeiten, in denen wir ein weiteres Aufkeimen des Antisemitismus, der Ausgrenzung und der Zerstörung demokratischer Grundüberzeugungen erleben", betonte die Grünen-Politikerin.
Ende August saßen in der JVA Billwerder nach Angaben des Senats 774 Gefangene, von denen gut 62 Prozent keinen deutschen Pass hatten und weitere drei Prozent Doppelstaatler waren.