SachsenOrtsumgehung Pirna: Brückenmängel im März entdeckt

Bei der Prüfung vor der geplanten Inbetriebnahme der Gottleubatalbrücke in Pirna fielen im März Schäden an den Verbindungen zu den Pfeilern auf. Was die Untersuchung ergab und wie es nun weitergeht.
Pirna (dpa/sn) - Wegen Baumängeln an der Gottleubatalbrücke verzögert sich die Eröffnung der Ortsumgehung in Pirna ein weiteres Mal. Statt wie zuletzt angekündigt 2026 verschiebt sich die Fertigstellung voraussichtlich auf das nächste Jahr, wie die zuständige Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) mitteilte. Betroffen sind Bauteile, die für den langfristigen Erhalt des Bauwerks wichtig sind.
Welche Schäden wurden an der Brücke festgestellt?
Bei der standardmäßigen Begutachtung, bevor die Brücke in Betrieb gehen sollte, seien Schäden an den sogenannten Vouten aufgefallen, sagte Holger Behrmann, Bereichsleiter Sachsen der Deges, bei einem Termin vor Ort. Die bogenförmigen Vouten verbinden den Überbau der Brücke mit den Pfeilern. Sie wurden angebracht, nachdem der separat zusammengesetzte Stahlüberbau über das Tal gehoben und auf die Pfeiler abgesenkt wurde.
Beim Betonieren seien Reste der Schalung, also der Gussform, in den Beton gekommen, erläuterte Behrmann. "Das hat zu Hohlstellen innerhalb des Betons geführt, aber eben auch zum Verbleib dieser Schalungsreste dort. Die müssen raus". An vier von fünf Vouten sei das der Fall.
Auf die Standhaftigkeit der Brücke hätten diese Schäden demnach keine Auswirkungen gehabt. Sie hätten jedoch die Dauerhaftigkeit des Bauwerks beeinflusst. "Wenn es Hohlräume in dem Brückenbauwerk gibt, wenn es nach außen hin offene Stellen gäbe, dann kann Feuchtigkeit, Luft an die Bewehrung gelangen", erläuterte Behrmann.
Wie werden die Mängel behoben?
Das Konzept für die Sanierung ist laut Behrmann in Arbeit. Das Bundesverkehrsministerium und der Freistaat Sachsen müssen diesem zustimmen, bevor es umgesetzt werden kann.
Vorgesehen ist, Beton in die Hohlräume zu pumpen, um diese zu verschließen. An den betroffenen Bereichen muss dafür zunächst der Beton mit einem Hochdruckwasserstrahl abgetragen werden. Das Vorgehen wurde vorab getestet, um sicherzugehen, dass vor Ort alles gut funktioniert.
"Nach Abschluss der Sanierung gehen wir davon aus, dass das Bauwerk hundertprozentig in dem Zustand ist, wie es ursprünglich geplant war", versicherte Behrmann.
Wirken sich die Mängel auf die Kosten des Projekts aus?
Da der Fehler bei der ausführenden Baufirma liegt, muss diese nun auch für die Behebung der Mängel und die damit verbundenen Kosten aufkommen. Die Firma teile diese Auffassung und sehe sich auch in der Verantwortung, so Behrmann. "Es gibt überhaupt gar keine zwei Meinungen zu dem Thema."
Bei dem aktuellen Kostenrahmen von 288,4 Millionen Euro - knapp dem dreifachen der 2017 geschätzten 96,6 Millionen Euro - soll es daher bleiben. Bei einzelnen Posten wie etwa den Markierungen oder den Leitplanken seien noch Steigerungen möglich, so Behrmann. "Ich gehe aber nicht davon aus."
Die bisherigen erheblichen Kostensteigerungen erklärte der Fachmann mit den insgesamt stark gestiegenen Baupreisen und zusätzlichen Leistungen, die in der ursprünglichen Planung nicht vorgesehen waren, sich aber während der Arbeiten als notwendig erwiesen. Im Vergleich zum Baubeginn 2017 seien die Bauleistungen, unter anderem wegen der hohen Energiepreise, um 60 Prozent gestiegen. Die Mehrleistungen hätten sich sowohl beim Kohlbergtunnel als auch bei der Gottleubatalbrücke ergeben.
Wie ist der aktuelle Stand bei der Ortsumgehung?
Der 3,8 Kilometer lange Abschnitt entlang der B172 wird künftig den Verkehr, der aktuell mitten durch Pirna fließt, südlich an der Stadt vorbeiführen. Rund 12.500 Fahrzeuge sollen die Strecke täglich passieren.
Der erste Abschnitt, etwa ein Drittel der Gesamtstrecke, ist bereits seit 2022 im Verkehr. Er führt vom Autobahnzubringer zur A17 bis zur S173. Offen ist noch der zweite Abschnitt mit dem 315 Meter langen Kohlbergtunnel und der 916 Meter langen Brücke, die das Gottleubatal in einer Höhe von bis zu 70 Metern überspannt.
Der Bau des Tunnels ist inzwischen weitgehend abgeschlossen. "Da sind jetzt nur noch Restarbeiten zu tun", sagte Behrmann. Auch die umfangreiche technische Ausstattung, wie die Lichtsicherheitseinrichtungen, sei weit vorangeschritten. Die Anschlussstrecke zwischen der Gottleubatalbrücke und der B172 steht ebenfalls vor dem Abschluss. "Im Grunde wären wir fertig, um die Brücke und die ganze Strecke in Betrieb zu nehmen", sagte Behrmann. Bei der Prüfung vor der Freigabe habe man dann aber den Schaden festgestellt.
Wie sieht der neue Zeitplan aus?
Die Fertigstellung wird sich erneut verzögern - voraussichtlich auf 2027. Einen konkreten Termin will die Deges nach dem Winter benennen. Denn die Sanierungsarbeiten könnten zwar noch in diesem Jahr beginnen, müssen allerdings im Winter pausieren, wie Behrmann erläuterte. "Wir sind extrem witterungsabhängig, weil natürlich der Beton nicht einfrieren darf."
Es ist nicht die erste Verzögerung bei dem Großprojekt. Ursprünglich war der Abschluss für 2022 geplant. Wegen der geologischen Verhältnisse im Bereich des Kohlbergtunnels wurde der Termin zunächst auf 2023 verlegt. Das Gestein hatte sich als weicher herausgestellt als ursprünglich gedacht. Hinzu kamen notwendige Anpassungen an der Ausführungsplanung der Gottleubatalbrücke, die eine weitere Verschiebung auf 2026 erforderlich machten.