Der Börsen-Tag

Der Börsen-TagLagarde kündigt vorzeitigen Rückzug an - Wer rückt an der EZB-Spitze nach?

29.10.2026, 12:42 Uhr
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Christine Lagarde ist seit dem 1. November 2019 an der Spitze der EZB - ihre reguläre achtjährige Amtszeit wäre bis Ende Oktober 2027 gelaufen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde gibt ihren Posten vorzeitig am 1. Februar 2027 ab - regulär läuft ihre Amtszeit bis Oktober 2027. Die 70-Jährige steht seit Langem als Wechselkandidatin zum Weltwirtschaftsforum im Raum. Ihr Rückzug gebe den EU-Staatschefs die Chance, die Nachfolge noch vor der französischen Präsidentenwahl zu klären.

Die ersten Reaktionen aus der Ökonomen-Zunft fallen unterschiedlich aus.

Für Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, ist damit auch das Thema der heutigen EZB-Pressekonferenz gesetzt: "Es wird um die Hintergründe des Rücktritts und die Nachfolge gehen." Er sieht gute Chancen für den Spanier Pablo Hernández de Cos und den Niederländer Klaas Knot. Würde die Wahl tatsächlich auf de Cos fallen, so Gitzel, "bekäme die EZB einen Vorsitzenden, der in der Vergangenheit mit taubenhaften Tönen auffiel". Einen Kurswechsel erwartet er dennoch nicht - de Cos werde wie Lagarde "einen geldpolitischen Mittelweg einschlagen".

Deutlich kritischer äußert sich Andreas Bley, Chefökonom des BVR. Der Rücktritt beende zwar monatelange Spekulationen, komme aber "zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt". Bley mahnt: "Gerade jetzt braucht die EZB einen glaubwürdigen und verlässlichen geldpolitischen Kurs."

Gelassener bewertet es Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank. Dass Lagarde vorzeitig gehe, "ist keine Überraschung und ändert unseres Erachtens nichts an den Aussichten für die Geldpolitik". Überrascht habe lediglich der Zeitpunkt der Ankündigung, so Schmieding.

Auch aus der Politik kommen erste Worte. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil erklärte: "Christine Lagarde hat die Europäische Zentralbank in schwierigen Zeiten geführt." Die EZB habe unter ihrer Führung den Euro stabil gehalten. Er habe "großen Respekt vor ihrer Arbeit" und danke ihr persönlich und im Namen der Bundesregierung.

Lagarde steht seit dem 1. November 2019 an der Spitze der EZB. Über die Nachfolge entscheiden die EU-Staats- und Regierungschefs. Üblich ist: Die Euro-Finanzminister geben eine Empfehlung ab, EZB-Rat und EU-Parlament werden angehört, der Europäische Rat ernennt dann mit qualifizierter Mehrheit. Erwartet wird, dass das anstehende Personalpaket mit drei freien Posten im Direktorium 2027 im Paket geschnürt wird - spätestens auf dem EU-Gipfel Mitte Dezember.

Quelle: ntv.de