ThüringenAbschlussbericht zu Missbrauch im Bistum Erfurt liegt vor

Tausende Dokumente, fünf Jahre Arbeit: Die Aufarbeitungskommission ermittelte rund 60 Beschuldigte im Bistum Erfurt. Was der Bericht über sexuellen Missbrauch offenlegt.
Erfurt (dpa/th) - Die unabhängige Aufarbeitungskommission zu Missbrauch und sexualisierter Gewalt im katholischen Bistum Erfurt hat nach einer fünf Jahre dauernden Untersuchung ihren Abschlussbericht vorgelegt. Demnach wurden von der Kommission nach eigenen Angaben für die Zeit von 1945 bis 2001 rund 60 Beschuldigte ausfindig gemacht. Die Zahl der Betroffenen liege deutlich höher. Zudem werde weiterhin von einem größeren Dunkelfeld ausgegangen, hieß es in einer Mitteilung des Gremiums.
Der rund 390 Seiten umfassende Bericht greift laut der Kommission auch ausführlich die Lage der Kirche in der DDR auf. Priester hätten damals ein hohes Maß an Unabhängigkeit von der kirchlichen Administration genossen, was in einigen Fällen Taten erleichtert habe. Auffällig war demnach außerdem, dass Kinder in katholischen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe erheblicher Gewalt ausgesetzt waren – auch durch Ordensschwestern.
Bischof soll zum Bericht Stellung nehmen
Der Vorwurf eines Systemversagens der Kirche könne zumindest bis zur Wiederbegründung des Bistums 1994 nicht generell erhoben werden, erklärte die Kommission. Sie gibt zugleich Empfehlungen zur Demokratisierung der Kirche und zur Durchsetzung von Kinderrechten. Der Bericht werde nun Bischof Ulrich Neymeyr zur Stellungnahme übergeben, hieß es weiter. Anfang Dezember soll er der Öffentlichkeit während einer Pressekonferenz vorgestellt werden.
Eine Arbeitsgruppe der Kommission hatte Tausende von Dokumenten analysiert und Gespräche mit Betroffenen, Verantwortlichen und möglichen Zeugen geführt. Im März dieses Jahres hatte die Kommission dem Bistum vorgeworfen, ihre Arbeit zu blockieren und eine mangelnde Unterstützung beklagt. Der Bischof wies das zurück.